Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

3 Kognitive Psychologie

Am Anfang des menschlichen Fühlens und Denkens steht das Bild und nicht die Sprache.¬ Das gilt für die Entwicklung des einzelnen Menschen genauso, wie für die Entwicklungsgeschichte der gesamten Menschheit (Kroeber-Riel 1996, S. 20). Das Wahrnehmen und Verstehen von Bildern ist für das Lernen und das Erinnern zentral. Bilder können reale oder fiktive Gegenstände darstellen und haben durch ihre Ähnlichkeit mit dem Gegenstand einen viel höheren Einfluss als Worte. Der sprachliche Ausdruck ist im Gegensatz dazu verschlüsselt und wirklichkeitsfern (Kroeber-Riel 1996, S. 36). Dass eine bildhafte Darstellung am ehesten der Authentizität eines Selbsterlebens nahekommt, drückt sich auch darin aus, dass wir geneigt sind zu glauben, was wir sehen (Pötzsch 2007, S. 85). „Etwas sehen beinhaltet anwesend und, Zeuge dessen zu sein, was geschieht und damit eben auch an einer Wahrheit zu partizipieren. Als solches bilden Sehen und Wissen eine Einheit – Sehen bedeutet: Augenscheinlichkeit – Evidenz“ (Pötzsch 2007, S. 85). Mit Weidenmann lässt sich dem entgegenhalten, dass sich darin eine weiter zurückreichende einfache Realismustheorie erkennen lässt, die von der Höherwertigkeit des realen Gegenstandes gegenüber seiner symbolischen Darstellung ausgeht (Weidenmann 2002, S. 48–49).
Bilder erregen die Aufmerksamkeit der Informationsnutzer stärker und schneller als Texte und sind auch bei der emotionalen Kommunikation überlegen. Angesichts der steigenden Menge an Information und der wachsenden Konkurrenz unter den Informationsangeboten, setzen Produzenten verstärkt auf den Einsatz von Bildern (Mangold 2007, S. 4–5). Denn‚ „Bilder sind schnelle Schüsse ins Gehirn“ (Kroeber-Riel 1996, S. 53) und deshalb besser geeignet, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen als Texte (Kroeber-Riel 1996, S. 53).
In der kognitiven Psychologie wird untersucht, „(…) wie der Geist und die Psyche organisiert sind und intelligentes Denken hervorbringen und wie die Prozesse des Denkens im Gehirn sichtbar werden“ (Anderson, Funke 2007, S. 1). Die kognitive Psychologie wird heute vom Ansatz der Informationsverarbeitung beherrscht. Hierbei werden kognitive Prozesse als eine Reihe von Einzelschritten betrachtet, „(…) in denen eine abstrakte Einheit namens Information verarbeitet wird“ (Anderson, Funke 2007, S. 13). In der kognitiven Psychologie wird Lernen als Vorgang beschrieben, der im Zuge der allgemeinen Verarbeitung von Information einsetzt und bei dem es darum geht, Informationen, die gelernt werden sollen, im Langzeitgedächtnis zu verankern (Mangold 2007, S. 176). Neues Wissen wird aus den aus der Umwelt wahrgenommenen Informationen und bereits vorhandenem Vorwissen konstruiert (Mangold 2007, S. 178). Je lückenloser und zusammenhängender die Wissensstruktur ist, die aus den Informationsbestandteilen erzeugt wird, desto besser kann sie im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden (Mangold 2007, S. 177).

In den nachfolgenden Kapiteln werden Theorien aus der kognitiven Psychologie vorgestellt, die sich mit der Wirkung von Bildern bei der Informationsaufnahme, der Kodierung von Information und der menschlichen Verarbeitungskapazität beschäftigen.