Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

4 Die Präsentation

„Ob bei der Verbreitung von Forschungsergebnissen auf wissenschaftlichen Tagungen, der Vermittlung von Produktideen bei einem Geldgeber, der Darstellung einer Person oder einer Firma zur Anbahnung von Geschäftsbeziehungen oder bei firmeninternen Sitzungen: Präsentationen sind nahezu in allen gesellschaftlichen Bereichen vorzufinden“ (Degenhardt, Mackert 2007, S. 249). Und das, obwohl die Präsentation eine relativ junge und moderne kommunikative Gattung ist. Innerhalb kürzester Zeit ist sie zu einem Hauptinstrument formalisierter Wissenskommunikation avanciert (Schnettler, Knoblauch 2007b, S. 267). Das am weitesten verbreitete Werkzeug zum Erstellen von Präsentationen ist PowerPoint. Laut Schätzungen von Microsoft werden täglich etwa 30 Millionen PowerPoint Präsentationen gehalten und die Software ist weltweit auf 250 Millionen Rechnern installiert (Parker 2001). Betrachtet man den visuellen Aspekt von Präsentationen, dann sind die Folienbilder, die mit Programmen wie PowerPoint oder Keynote erstellt werden, Indikatoren für die Omnipräsenz des Ikonischen, aber auch dafür, dass Wissen zunehmend in visuellen Medien kommuniziert wird (Pötzsch 2007, S. 86). Die Bedeutung von Visualisierung von Wissen in computerunterstützten Präsentationen kommt auch daher, dass das Sichtbarmachen des Gesagten, scheinbar dessen Glaubwürdigkeit erhöht. Durch die Darstellung auf den Folien wird der Sprechtext der Präsentation in ein anderes Medium transformiert. Die ZuhörerInnen werden so zu ZuschauerInnen und können am Gesagten als AugenzeugInnen teilnehmen (Pötzsch 2007, S. 87). Der besondere Aspekt der Visualität von Präsentationen, bezieht sich aber nicht unbedingt auf deren Bildhaftigkeit, sondern das Visuelle kann sich durchaus auf das projizierte Wort beschränken (Schnettler et al. 2007, S. 22–23). Die Visualisierung ist direkt mit der Art der Vermittlung verbunden, die durch die dreistellige Beziehung zwischen SprecherIn, projiziertem Bild und Publikum gebildet wird. Durch die Visualisierung des Gesagten, wird dieses selbst verräumlicht und es kann darauf gezeigt werden. Zeigen ist eine der zentralsten Gesten der Powerpoint-Präsentation (Schnettler et al. 2007, S. 23).
Schnettler (2007) sieht noch einen anderen Aspekt, den Powerpoint-Präsentationen mit sich gebracht haben, nämlich ein anderes Verständnis von AutorInnenschaft. Texte, die aus unterschiedlichen Quellen zusammenkopiert werden und inhaltlich auf Satzfragmente oder Wörter gekürzt und in Form von Aufzählungspunkten dargestellt werden, und die das, was andere oder man selbst schrieb oder sagte, zusammenfassen, benötigen in der Regel keines Quellennachweises. -Das gilt auch für Illustrationen, die entweder dem vom Programm mitgelieferten Medienset entnommen oder aus dem Internet gezogen werden können. Diese Intermedialität ist charakteristisch für den Viusalisierungsstil von Powerpoint-Präsentationen (Schnettler et al. 2007, S. 24). Es verweisen nicht nur Gesprochenes und Visualisiertes aufeinander, sondern das Visualisierte steht in einem Verweisungshorizont, der so groß wie das Internet sein dürfte (Schnettler et al. 2007, S. 24). Es entstehen Präsentationscollagen aus Versatzstücken eigener alter Präsentationen, Bruchstücken von Internetseiten oder anderer digitalisierter Daten. Diese Form der inhaltlichen Erschließung wirkt sich auch auf die Menge der präsentierten Informationen aus, weil dieses ‚Sampling‘ zwar eine Selektion der Information voraussetzt, aber der thematische Fokus dabei leicht verlorengeht und vom Wunsch ‚allen alles zu bringen‘ überlagert wird (Coy, Pias 2009, S. 11).