Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

7 Zusammenfassung und Ausblick

Wissen wird in unserer Wissensgesellschaft mit Powerpoint kommuniziert. Es ist das am weitesten verbreitete Werkzeug zur visuellen Unterstützung mündlicher Vorträge. Es gibt eine sehr breit angelegte und emotional gefärbte Powerpoint-Diskussion in Zeitungen und Fachzeitschriften, aber eine vergleichsweise geringe Anzahl an wissenschaftlichen Studien. Bei der Beschäftigung mit dem Thema wird schnell klar, dass die Präsentations-Praxis als nicht zufriedenstellend eingestuft wird. Aber warum wird ein so weit verbreitetes Medium so mangelhaft eingesetzt, obwohl es eine unüberschaubare Zahl an Praktikerliteratur zum Erstellen und Halten von Präsentationen gibt? Somit galt es herauszufinden, inwieweit die Empfehlungen der Ratgeberliteratur mit den tatsächlichen Praktiken der AnwenderInnen übereinstimmen. Um einer Antwort näher zu kommen, wurde im ersten Schritt Ratgeberliteratur analysiert. Die im Ratgeber „Presentation Zen“ empfohlenen Herangehensweisen wurden herausgearbeitet und bildeten die Grundlage für Interviews, die mit neun Powerpoint-AnwenderInnen geführt wurden. Die Ergebnisse aus den Interviews wurden mit den Herangehensweisen aus der Ratgeberliteratur verglichen. Der Vergleich ergab eine deutliche Differenz zwischen den normativen Vorstellungen der Ratgeberliteratur und den tatsächlichen Praktiken der AnwenderInnen. Die Unterschiede liegen vor allem in der Vorbereitungsphase einer Präsentation, die laut „Presentation Zen“ in einer analogen Planung bestehen sollte, in der abseits des Computers mit Bleistift und Papier erste Ideen festgehalten werden, dem Erfinden einer Geschichte und dem Ausarbeiten eines eigens gestalteten und in ganzen Sätzen formulierten Handouts. Eine analoge Planungsphase findet bei PraktikerInnen nicht statt, sie beginnen das Erstellen einer Präsentation gleich in Powerpoint. Bei wenigen befragten Personen spielt das Erfinden einer Geschichte eine Rolle und keine der Interviewten erstellt ein eigens ausgearbeitetes Handout. Im Bereich Design liegen die Unterschiede vor allem beim Einsatz von Aufzählungspunkten und der Verwendung von Bildern. „Presentation Zen“ empfiehlt, Aufzählungspunkte ganz wegzulassen und stattdessen vollflächige Bilder auf die Folien zu geben. Der überwiegende Teil der Befragten verwendet in jeder Präsentation Aufzählungspunkte und nur wenige Bilder und diese Bilder werden nicht den ganzen Bildschirm füllend auf die Folien gesetzt, sondern so, dass ein Rand frei bleibt. Einen ähnlich hohen Stellenwert hat in der Ratgeberliteratur und in der Praxis das Erstellen einer Struktur. Struktur dient in der Ratgeberliteratur dazu, den Ablauf („flow“) darzustellen. In der Praxis soll Struktur die Funktion erfüllen, sowohl der präsentierenden Person, als auch dem Publikum eine Richtschnur zu geben, die eine inhaltliche und für manche auch eine zeitliche Orientierung ermöglicht. Beim Thema Vermittlung ist sowohl in der Ratgeberliteratur als auch für die Interviewten das ausschlaggebende Kriterium, dass die präsentierende Person Ausstrahlung hat und inhaltlich kompetent ist.
Die PraktikerInnen lernen das Präsentieren hauptsächlich über die eigene Praxis. Sie verwenden auch gerne andere Medien zur Visualisierung, wie Flipchart und Tafel und können sich grundsätzlich vorstellen, einen Vortrag ohne visuelle Unterstützung zu halten, obwohl sie in der Praxis trotz allem fast immer Powerpoint einsetzen.